Schatten im Garten Eden

Alexander Köhl - Schatten im Garten Eden - Kriminalroman aus Aschaffenburg

Auf dem Aschaffenburger Waldfriedhof machen Friedhofsarbeiter eine schreckliche Entdeckung. Im Familiengrab des Kleiderfabrikanten Mittelbach liegt in einem Müllsack die Leiche eines bereits über zehn Jahre toten Babys. Gleich daneben findet die Spurensicherung zwei Päckchen: sorgsam in Sweatshirtstoff eingewickelte Skelette von Nagetieren und kleine Steinfiguren mit geheimnisvollen Symbolen.

Wer war das unbekannte Baby? War es Zufall, dass es ausgerechnet im Grab Mittelbachs deponiert wurde? Lange bleibt auch die Bedeutung der seltsamen Grabbeigaben ein Rätsel, bis es Kriminalhauptkommissar Hans Adelmeier durch eine scheinbar zufällige Begegnung gelingt, ein düsteres Familiengeheimnis zu lüften.

Adelmeier beugte sich vorsichtig über das rot-weiße Plastikband, mit dem das geöffnete Grab in einem Quadrat abgesperrt war. Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass Marcello sein Handy benutzte, wahrscheinlich forderte er bereits die Kriminaltechnik an. Ungefähr einen Meter neben dem Grabstein entdeckte er einen großen blauen Plastikbeutel. Er lag verschmiert zwischen unförmigen Erdklumpen. Erst auf den zweiten Blick sah er, dass es sich um einen Sack handelte, wie man ihn üblicherweise zum Aufbewahren von Müll verwendete. Adelmeier ging in die Hocke und schaute vorsichtig in den breiten Riss an der Seite. Er hatte schon während der Fahrt versucht, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Wie sich nun herausstellte – vergebens. Er schaffte es einfach nicht, tief in das Bad von Drachenblut zu tauchen, um seinen Panzer zu stärken. Ganz im Gegenteil, von Jahr zu Jahr wurde er dünnhäutiger. Besonders, wenn es sich wie hier, um ein so junges Opfer handelte.

Sein Magen wehrte sich gegen das, was seine Augen in dem Sack entdeckten. Adelmeier schluckte. Der kleine Körper, der vor ihm lag, war mit einem rosafarbenen Strampler bekleidet. Der Sack musste konservierende Wirkung gehabt haben. Auf der Brust erkannte Adelmeier noch ein verblichenes gesticktes Motiv. Aus seinem flachen Blickwinkel sah es aus wie zwei rote Kirschen. Ein Mädchen, dachte er. Vielleicht lieferte später das Etikett einen Hinweis, woher das Kleidungsstück stammen könnte. Vielleicht war es aber auch – wie häufig bei Babys – wegen der Empfindlichkeit der zarten Haut herausgetrennt. Der löchrige Stoff gab einen direkten Blick auf den winzigen Beckenknochen frei. Adelmeier wandte sich ab ...